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Chapter VII: Syntax (2)

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Ze jungest d[o] bed[a]hte sich
ir herr[e.], der arme Heinrich,
und begunde sagen in
gr[o][z]e gn[a]de allen drin
der triuwen und des guotes 1015
(diu maget wart r[i]ches muotes
da[z] ers gevolg[e.]te gerne),
und bereit[e.] sich ze S[a]lerne
s[o] er schiereste mohte.
swa[z] ouch der megede tohte, 1020
da[z] wart vil schiere bereit:
sch[oe]niu pfert und r[i]chiu kleit,
diu s[i] getruoc nie vor der z[i]t:
hermin unde sam[i]t,
den besten zobel den man vant, 1025
da[z] was der megede gewarit.

N[u] wer m[o:]hte volgesagen
die herzeriuwe und da[z] klagen,
der muoter grimmige[z] leit
und ouch des vater arbeit? 1030
e[z] w[ae]r[e.] wol und[e.]r in beiden
ein j[ae]merli[i]che[z] scheiden,
d[o] s[i] ir liebe[z] kint von in
gefrumten s[o] gesunde[z] hin
niemer m[e] ze sehenne in den t[o]t, 1035
wan da[z] in senftet ir n[o]t
diu reine gotes g[u:]ete,
von der doch da[z] gem[u:]ete
ouch dem jungen kinde quam
da[z] e[z] den t[o]t gerne nam. 1040
e[z] was [a]ne ir r[a]t k[o]men:
d[a] von wart von ir herz[e.]n genomen
alliu klage und sw[ae]re,
wan e[z] anders wunder w[ae]re
da[z] in ir herze niht zerbrach. 1045
ze liebe wart ir ungemach,
da[z] s[i] dar n[a]ch deheine n[o]t
liten umbe ir kindes t[o]t.

IV

WALTHER VON DER VOGELWEIDE.

The exact dates of his birth and death are unknown. His chief poems
were written between the years 1187 and 1230.

The best edition of his works is: Walther von der Vogelweide,
herausgegeben und erkl[a:]rt von W. Wilmanns, Halle, 1883 (2nd edit.).

1.

Ir sult sprechen: 'willekomen!'
der iu m[ae]re bringet, da[z] bin ich.
Alle[z] da[z] ir habt vernomen,
da[z] ist gar ein wint: n[u] fr[a]get mich.
Ich wil aber miete: 5
wirt m[i]n l[o]n iht guot,
s[o] sage ich iu vil l[i]hte, da[z] in sanfte tuot.
seht, wa[z] man mir [e]ren biete.

Ich wil tiuschen frouwen sagen
solhiu m[ae]re, da[z] si deste ba[z] 10
Al der werlte suln behagen:
[a]ne gr[o][z]e miete tuon ich da[z].
Wa[z] wold' ich ze l[o]ne?
si sint mir ze h[e]r;
s[o] bin ich gef[u:]ege und bite si nihtes m[e]r 15
wan da[z] si mich gr[u:]e[z]en sch[o]ne.

Ich h[a]n lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war:
[U:]bel m[u:]e[z]e mir geschehen,
k[u:]nde ich ie m[i]n herze bringen dar, 20
Da[z] im wol gevallen
wolde fremeder site.
n[u] wa[z] h[u:]lfe mich, ob ich unrehte strite?
tiuschiu zuht g[a]t vor in allen.

Von der Elbe unz an den R[i]n 25
und her wider unz an Ungerlant
M[u:]gen wol die besten s[i]n,
die ich in der werlte h[a]n erkant.
Kan ich rehte schouwen
guot gel[a][z] und l[i]p, 30
sam mir got, s[o] sw[u:]ere ich wol, da[z] hie diu w[i]p
be[zz]er sint danne ander frouwen.

Tiusche man sint wol gezogen,
rehte als engel sint diu w[i]p get[a]n.
Swer si schiltet, derst betrogen: 35
ich enkan s[i]n anders niht verst[a]n.
Tugent und reine minne,
swer die suochen wil,
der sol komen in unser lant: da ist w[u:]nne vil:
lange m[u:]e[z]e ich leben dar inne! 40

2.

Ow[e] war sint verswunden / alliu m[i]niu j[a]r!
ist mir m[i]n leben getroumet / oder ist e[z] w[a]r?
da[z] ich ie w[a]nde, da[z] / iht w[ae]re, was da[z] iht?
dar n[a]ch h[a]n ich gesl[a]fen / und enwei[z] es niht. 45
N[u] bin ich erwachet, / und ist mir unbekant,
da[z] mir hie vor was k[u:]ndic / als m[i]n ander hant.
liut unde lant, d[a] ich / von kinde bin erzogen,
die sint mir fremde worden, / reht' als e[z] s[i] gelogen:
Die m[i]ne gespilen w[a]ren, / die sint tr[ae]ge und alt; 50
bereitet ist da[z] velt, / verhouwen ist der walt:
wan da[z] da[z] wa[zz]er fliu[z]et, / als e[z] w[i]lent fl[o][z],
f[u:]r w[a]r ich w[a]nd[e.] / m[i]n ungel[u:]cke w[u:]rde gr[o][z].
mich gr[u:]e[z]et maneger tr[a]ge, / der mich bekande [e] wol.
diu werlt ist allenthalben / ungen[a]den vol. 55
als ich gedenke an manegen / w[u:]nnecl[i]chen tac,
die sint mir enpfallen gar / als in da[z] mer ein slac,
iemer m[e]re ow[e]!
Ow[e] wie j[ae]merl[i]che / junge liute tuont!
den vil unriuwecl[i]che / ir gem[u:]ete stuont, 60
die kunnen niuwan sorgen: / ow[e] wie tuont si s[o]?
swar ich zer werlte k[e]re, / d[a] ist nieman fr[o]:
Tanzen unde singen / zerg[a]t mit sorgen gar.
nie kristenman gesach / s[o] j[ae]merl[i]chiu j[a]r.
n[u] merket, wie den frouwen / ir gebende st[a]t; 65
die stolzen ritter tragent / d[o:]rperl[i]che w[a]t.
Uns sint unsenfte brieve / her von R[o]me komen,
uns ist erloubet tr[u]ren / und fr[o:]ude gar benomen.
da[z] m[u:]et mich innecl[i]chen / (wir lebten [e] vil wol),
da[z] ich n[u] f[u:]r m[i]n lachen / weinen kiesen sol. 70
diu wilden vogell[i]n / betr[u:]ebet unser klage:
wa[z] wunders ist, ob ich / d[a] von vil gar verzage?
wa[z] spriche ich tumber man / durch m[i]nen b[oe]sen zorn?
swer dirre w[u:]nne volget, der / h[a]t jene dort verlorn
iemer m[e]re, ow[e]! 75
Ow[e] wie uns mit s[u:]e[z]en / dingen ist vergeben!
ich sihe die gallen mitten / in dem honege sweben.
diu werlt ist [u][z]en sch[oe]ne, / w[i][z], gr[u:]en' unde r[o]t
und innen swarzer varwe, / vinster sam der t[o]t.
Swen si n[u] habe verleitet, / der schouwe s[i]nen tr[o]st: 80
er wirt mit swacher buo[z]e / gr[o][z]er s[u:]nde erl[o]st.
dar an gedenket, ritter! / e[z] ist iuwer dinc;
ir traget die liehten helme / und manegen herten rinc,
Dar zuo die vesten schilte / und diu gew[i]hten swert.
wolte got, w[ae]r ich / der sigen[u:]nfte wert, 85
s[o] wolte ich n[o]tic man / verdienen r[i]chen solt.
joch meine ich niht die huoben / noch der h[e]rren golt:
ich wolte selbe kr[o]ne / [e]wecl[i]chen tragen;
die m[o:]hte ein solden[ae]re / mit s[i]me sper bejagen.
m[o:]ht ich die lieben reise / gevaren [u:]ber s[e], 90
s[o] wolte ich denne singen 'wol' / und niemer m[e]re 'ow[e],'
niemer m[e]re 'ow[e]!'

3.

D[o] der sumer komen was
und die bluomen durch da[z] gras
w[u:]nnecl[i]che ensprungen,
ald[a] die vogele sungen, 95
d[a]r kom ich gegangen
an einen anger langen,
d[a] ein l[u]ter brunne entspranc;
vor dem walde was s[i]n ganc,
d[a] diu nahtegale sanc. 100

B[i] dem brunnen stuont ein boum,
d[a] gesach ich einen troum.
ich was zuo dem brunnen
gegangen von der sunnen,
da[z] diu linde m[ae]re 105
den k[u:]elen schaten b[ae]re.
b[i] dem brunnen ich gesa[z]:
m[i]ner sw[ae]re ich gar verga[z],
schiere entslief ich umbe da[z].

D[o] bed[u]hte mich zehant, 110
wie mir dienten elliu lant,
wie m[i]n s[e]le w[ae]re
ze himel [a]ne sw[ae]re
und der l[i]p hie solte
geb[a]ren swie er wolte. 115
d[a] enwas mir niht ze w[e].
got der waldes, swie'[z] erg[e]:
sch[oe]ner troum enwart nie m[e].

Gerne sliefe ich iemer d[a],
wan ein uns[ae]ligiu kr[a], 120
diu begonde schr[i]en.
da[z] alle kr[a] ged[i]en
alse ich in des g[u:]nne!
si nam mir michel wunne.
von ir schr[i]enne ich erschrac: 125
wan da[z] d[a] niht steines lac,
s[o] w[ae]r' e[z] ir suontac.

Wan ein wunderalte[z] w[i]p
diu getr[o]ste mir den l[i]p.
die begonde ich eiden. 130
n[u] h[a]t si mir bescheiden
wa[z] der troum bediute.
da[z] merken w[i]se liute;
zw[e]ne und einer da[z] sint dr[i];
dannoch seit[e.] si mir d[a] b[i], 135
da[z] m[i]n d[u]me ein vinger s[i].

4.

Ich sa[z] [u]f eime steine
und dahte bein mit beine;
dar [u]f satzt ich den ellenbogen;
ich hete in m[i]ne hant gesmogen 140
da[z] kinne und ein m[i]n wange:
d[o] d[a]hte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben.
deheinen r[a]t kond ich gegeben,
wie man driu dinc erw[u:]rbe, 145
der keine[z] niht verd[u:]rbe.
diu zwei sint [e]re und varnde guot,
da[z] dicke einander schaden tuot;
da[z] dritte ist gotes hulde,
der zweier [u:]bergulde. 150
die wolte ich gerne in einen schr[i]n;
j[a] leider des enmac niht s[i]n,
da[z] guot und werltl[i]ch [e]re
und gotes hulde m[e]re
zesamene in ein herze komen. 155
st[i]g' unde wege sint in benomen:
untriuwe is in der s[a][z]e,
gewalt vert [u]f der str[a][z]e,
fride unde reht sint s[e]re wunt.
diu driu enhabent geleites niht, 160
diu zwei enwerden [e] gesunt.

5.

Ich h[o]rte ein wa[zz]er die[z]en
und sach die vische flie[z]en;
ich sach swa[z] in der werlte was,
velt unde walt, loup r[o]r und gras; 165
swa[z] kriuchet unde fliuget
und bein zer erden biuget,
da[z] sach ich unde sage iu da[z]:
der keine[z] lebet [a]ne ha[z].
da[z] wilt und da[z] gew[u:]rme 170
die str[i]tent starke st[u:]rme,
sam tuont die vogel under in;
wan da[z] sie habent einen sin:
sie diuhten sich ze nihte,
sie ensch[u:]efen starc gerihte: 175
sie kiesent k[u:]nege unde reht,
sie setzent h[e]rren unde kneht.
s[o] w[e] dir, tiuschiu zunge,
wie st[e]t d[i]n ordenunge,
da[z] n[u] diu mucke ir k[u:]nic h[a]t 180
und da[z] d[i]n [e]re als[o] zerg[a]t!
bek[e]r[a] dich, bek[e]re!
die zirken sint ze h[e]re,
die armen k[u:]nege dringent dich:
Philippe setze en weisen [u]f
und hei[z] sie treten hinder sich!

6.

Ich sach mit m[i]nen ougen
man unde w[i]be tougen,
d[a] ich geh[o]rte und gesach
swa[z] iemen tet, swa[z] iemen sprach.
ze R[o]me h[o]rte ich liegen 190
und zw[e]ne k[u:]nege triegen.
d[a] von huop sich der meiste str[i]t,
der [e] was oder iemer s[i]t,
da[z] sich begonden zweien
die pfaffen unde leien. 195
da[z] was ein n[o]t vor aller n[o]t:
l[i]p unde s[e]le lac d[a] t[o]t,
die pfaffen striten s[e]re:
doch wart der leien m[e]re.
diu swert sie legeten dernider 200
und griffen zuo der st[o]le wider:
sie bienen die sie wolten
und niuwet den sie solten.
d[o] st[o]rte man diu gotesh[u]s.
ich h[o]rte verre in einer kl[u]s 205
vil michel ungeb[ae]re:
d[a] weinde ein kl[o]sen[ae]re,
er klagete gote s[i]niu leit:
'[o]w[e], der b[a]best ist ze junc:
hilf, h[e]rre, d[i]ner Kristenheit!'

7.

Diu kr[o]ne ist elter dan der k[u:]nec Philippes s[i]: 210
d[a] muget ir alle schouwen wol ein wunder b[i],
wie s' ime der smit s[o] ebene habe gemachet.
s[i]n keiserliche[z] houbet zimt ir als[o] wol,
da[z] sie ze rehte nieman guoter scheiden sol.
ir dwedere[z] da[z] ander niht enswachet. 215
sie liuhtent beide ein ander an,
da[z] edele gesteine wider den jungen man:
die ougenweide sehent die f[u:]rsten gerne.
swer n[u] des r[i]ches irre g[e],
der schouwe, wem der weise ob s[i]me nacke st[e]: 220
der stein ist aller f[u:]rsten leitesterne.

8.

Mir ist verspart der s[ae]lden tor:
d[a] st[e]n ich als ein weise vor,
mich hilfet niht swa[z] ich dar an geklopfe.
wie m[o:]hte ein wunder gr[oe][z]er s[i]n? 225
e[z] regent beidenthalben m[i]n,
da[z] mir des alles niht enwirt ein tropfe.
des f[u:]rsten milte [u][z] [O]sterr[i]che
freut dem s[u:]e[z]en regen gel[i]che
beidiu liute und ouch da[z] lant. 230
er ist ein sch[oe]ne wol gezieret heide,
dar abe man bluomen brichet wunder:
und br[ae]che mir ein blat dar under
diu s[i]n vil milte r[i]chiu hant,
s[o] m[o:]hte ich loben die s[u:]e[z]en ougenweide. 235
hie b[i] s[i] er an mich gemant.

9.

Ich h[a]n m[i]n l[e]hen, al die werlt! ich h[a]n m[i]n l[e]hen!
n[u] enf[u:]rhte ich niht den hornunc an die z[e]hen
und wil alle b[oe]se h[e]rren deste minre vl[e]hen.
der edel k[u:]nec, der milte k[u:]nec h[a]t mich ber[a]ten, 240
da[z] ich den sumer luft und in dem winter hitze h[a]n.
m[i]n' n[a]hgeb[u]ren dunke ich verre ba[z] get[a]n:
sie sehent mich niht m[e]r an in butzen w[i]s, als[o] sie t[a]ten.
ich bin ze lange arm gewesen [a]n' m[i]nen danc.
ich was s[o] volle scheltens, da[z] m[i]n [a]tem stanc. 245
da[z] h[a]t der k[u:]nec gemachet reine und dar zuo m[i]nen sanc.

10.

[O]w[e] hovel[i]che[z] singen,
da[z] dich ungef[u:]ege d[oe]ne
solten ie ze hove verdringen!
da[z] sie schiere got geh[oe]ne! 250
[o]w[e], da[z] d[i]n wirde als[o] geliget,
des sint alle d[i]ne friunde unfr[o].
da[z] muo[z] eht s[o] s[i]n, n[u] s[i] als[o]:
fr[o] Unfuoge, ir habt gesiget.

Der uns freude wider br[ae]hte, 255
diu reht und gef[u:]ege w[ae]re,
hei wie wol man des ged[ae]hte,
sw[a] man von im seite m[ae]re!
e[z] w[ae]r' ein vil hovel[i]cher muot,
des ich iemer gerne w[u:]nschen sol. 260
frouwen unde h[e]rren z[ae]me e[z] wol:
[o]w[e] da[z] e[z] nieman tuot!

Die da[z] rehte singen st[oe]rent,
der ist ungel[i]che m[e]re
danne die e[z] gerne h[oe]rent. 265
des volg' ich der alten l[e]re:
ich enwil niht werben ze der m[u:]l;
d[a] der stein s[o] riuschend' umbe g[a]t
und da[z] rat s[o] maneg[e.] unw[i]se h[a]t,
merket wer d[a] harpfen s[u:]l! 270

Die s[o] frevell[i]chen schallent,
der muo[z] ich vor zorne lachen,
da[z] s' in selben wol gevallent
mit als ungef[u:]egen sachen.
die tuont sam die fr[o:]sche in eime s[e], 275
den ir schr[i]en als[o] wol behaget,
da[z] diu nahtegal d[a] von verzaget,
s[o] si gerne sunge m[e].

Der unfuoge sw[i]gen hie[z]e,
wa[z] man noch von freuden sunge, 280
und sie abe den b[u:]rgen stie[z]e,
da[z] si d[a] die fr[o]n iht twunge!
wurden ir die gr[o][z]en h[o:]ve benomen,
da[z] w[ae]r' alle[z] n[a]ch dem willen m[i]n:
bien geb[u]ren lie[z]e ich sie wol s[i]n, 285
dannen ist s' ouch here komen.

11.

Der r[i]fe tet den kleinen vogelen w[e],
da[z] sie niht ensungen.
n[u] h[o]rte ich s'aber w[u:]nnecl[i]che als [e]:
n[u] ist diu heide entsprungen. 290
d[a] sach ich bluomen str[i]ten wider den kl[e],
weder ir lenger w[ae]re.
m[i]ner frouwen seite ich disiu m[ae]re.

Uns h[a]t der winter kalt und ander n[o]t
vil get[a]n ze leide. 295
ich w[a]nde, da[z] ich iemer bluomen r[o]t
s[ae]he an gr[u:]ener heide.
joch sch[a]te e[z] guoten liuten, w[ae]re ich t[o]t,
die n[a]ch freuden rungen
und ie gerne tanzten unde sprungen. 300

Vers[u]mde ich disen w[u:]nnecl[i]chen tac,
s[o] w[ae]r' ich verw[a][z]en
und w[ae]re an freude ein angestl[i]cher slac:
dennoch m[u:]ese ich l[a][z]en
al m[i]ne freude, der ich w[i]lent pflac. 305
got gesegen' iuch alle:
w[u:]nschet noch, da[z] mir ein heil gevalle.

12.

W[i]p muo[z] [e]t iemer s[i]n der w[i]be h[o]hste name
und tiuret ba[z] dan frouwe, als ich'[z] erkenne.
sw[a] n[u] deheiniu s[i], diu sich ir w[i]pheit schame, 310
diu merke disen sanc und kiese denne.
under frouwen sint unw[i]p,
under w[i]ben sint sie tiure:
w[i]bes name und w[i]bes l[i]p
die sint beide vil gehiure. 315
swie'[z] umb' alle frouwen var,
w[i]p sint alle frouwen gar.
zw[i]vellop da[z] h[oe]net,
als under w[i]len frouwe: w[i]p d[e]st ein name der s'alle kr[oe]net.

13.

S[o] die bluomen [u][z] dem grase dringent, 320
same sie lachen gegen der spileden sunnen,
in einem meien an dem morgen fruo,
und diu kleinen vogell[i]n wol singent
in ir besten w[i]se die sie kunnen,
wa[z] w[u:]nne mac sich d[a] gen[o][z]en zuo? 325
e[z] ist wol halb ein himelr[i]che.
suln wir sprechen, wa[z] sich deme gel[i]che,
s[o] sage ich, wa[z] mir dicke ba[z]
in m[i]nen ougen h[a]t get[a]n,
und t[ae]te ouch noch, ges[ae]he ich da[z]. 330

Sw[a] ein edeliu sch[oe]ne frouwe reine
wol gekleidet unde wol gebunden
durch kurzew[i]le zuo vil liuten g[a]t,
hovel[i]chen h[o]chgemuot, niht eine,
umbe sehend[e.] ein w[e]nic under stunden: 335
alsam der sunne gegen den sternen st[a]t:
der meie bringe uns al s[i]n wunder,
wa[z] ist d[a] s[o] w[u:]nnecl[i]ches under
als ir vil minnecl[i]cher l[i]p?
wir l[a][z]en alle bluomen st[a]n, 340
und kapfen an da[z] werde w[i]p.

N[u] wol dan, welt ir die w[a]rheit schouwen,
g[e]n wir zuo des meien h[o]chgez[i]te!
der ist mit aller s[i]ner krefte komen.
seht an in und seht an werde frouwen, 345
wedere[z] da[z] ander [u:]berstr[i]te,
da[z] be[zz]er spil ob ich da[z] habe genomen.
[o]w[e] der mich d[a] welen hie[z]e,
deich da[z] eine durch da[z] ander lie[z]e,
wie rehte schiere ich danne k[u:]re! 350
h[e]r Meie, ir m[u:]eset merze s[i]n,
[e] ich m[i]ne frouwen d[a] verl[u:]re.

14.

Swie wol der heide ir manicvaltiu varwe st[a]t,
s[o] wil ich doch dem walde jehen,
da[z] er vil m[e]re w[u:]nnecl[i]cher dinge h[a]t. 355
noch ist dem velde ba[z] geschehen.
s[o] wol dir, sumer, sus get[a]ner em[z]ekeit!
sumer, da[z] ich iemer lobe d[i]ne tage,
m[i]n tr[o]st, s[o] tr[oe]ste ouch m[i]ne klage:
ich sage dir, wa[z] mir wirret: 360
diu mir ist liep, der bin ich leit.

Ich mac der guoten niht verge[zz]en noch ensol,
diu mir s[o] vil gedanke nimet.
die w[i]le ich singe, wil ich vinden iemer wol
ein niuwe lop, da[z] ir gezimet. 365
n[u] habe ir di[z] f[u:]r guot (s[o] lobe ich danne m[e]):
e[z] tuot in den ougen wol, da[z] man sie siht,
und da[z] man ir vil tugende giht,
da[z] tuot wol in den [o]ren.
s[o] wol ir des! s[o] w[e] mir, w[e]! 370

15.

In einen zw[i]vell[i]chen w[a]n
was ich gese[zz]en und ged[a]hte,
ich wolte von ir dienste g[a]n,
wan da[z] ein tr[o]st mich wider br[a]hte.
tr[o]st mag e[z] rehte niht gehei[z]en, ouw[e] des! 375
e[z] ist vil k[u]me ein kleine[z] tr[oe]stel[i]n,
s[o] kleine, swenne ich'[z] iu gesage, ir spottet m[i]n;
doch fr[o:]wet sich l[u:]tzel ieman, er enwi[zz]e wes.

Mich h[a]t ein halm gemachet fr[o]:
er giht, ich s[u:]le gen[a]de vinden. 380
ich ma[z] da[z] selbe kleine str[o],
als ich hie vore sach von kinden.
n[u] h[oe]ret unde merket, ob si'[z] denne tuo:
'si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot.'
swie dicke ich'[z] tete, s[o] was ie da[z] ende guot. 385
da[z] tr[oe]stet mich: d[a] h[oe]ret ouch geloube zuo.

16.

Nieman kan beherten
kindes zuht mit gerten:
den man z'[e]ren bringen mac,
dem ist ein wort als ein slac. 390
dem ist ein wort als ein slac,
den man z'[e]ren bringen mac:
kindes zuht mit gerten
nieman kan beherten.

H[u:]etet iuwer zungen, 395
da[z] zimt wol den jungen;
st[o][z] den rigel f[u:]r die t[u:]r,
l[a] kein b[oe]se wort dar f[u:]r.
l[a] kein b[oe]se wort dar f[u:]r,
st[o][z] den rigel f[u:]r die t[u:]r: 400
da[z] zimt wol den jungen,
h[u:]etet iuwer zungen.

H[u:]etet iuwer ougen
offenb[a]re und tougen:
l[a]t sie guote site spehen 405
und die b[oe]sen [u:]bersehen;
und die b[oe]sen [u:]bersehen
l[a]t sie, guote site spehen:
offenb[a]re und tougen
h[u:]etet iuwer ougen. 410

H[u:]etet iuwer [o]ren,
oder ir s[i]t t[o]ren:
l[a]t ir b[oe]siu wort dar in,
da[z] gun[e]ret iu den sin.
da[z] gun[e]ret in den sin, 415
l[a]t ir b[oe]siu wort dar in,
oder ir s[i]t t[o]ren:
h[u:]etet iuwer [o]ren.

H[u:]etet wol der dr[i]er
leider alze fr[i]er: 420
zungen ougen [o]ren sint
dicke schalchaft, z'[e]ren blint.
dicke schalchaft, z'[e]ren blint
zungen ougen [o]ren sint:
leider alze fr[i]er 425
h[u:]etet wol der dr[i]er.

17.

Junc man, in swelher aht d[u] bist,
ich wil dich l[e]ren einen list:
d[u] l[a] dir niht ze w[e] s[i]n n[a]ch dem guote:
l[a] dir'[z] ouch niht z'unm[ae]re s[i]n. 430
und volges d[u] der l[e]re m[i]n,
s[o] wis gewis, e[z] frumt dir an dem muote.
die rede wil ich dir ba[z] bescheiden.
l[a]st d[u] dir'[z] ze s[e]re leiden,
zerg[a]t e[z] so ist d[i]n freude t[o]t: 435
wilt aber d[u] da[z] guot ze s[e]re minnen,
d[u] maht verliesen s[e]le und [e]re.
d[a] von s[o] volge m[i]ner l[e]re:
leg' [u]f die w[a]ge ein rehte[z] l[o]t
und wig ouch dar mit allen d[i]nen sinnen, 440
als e[z] diu m[a][z]e eht ie geb[o]t.

18.

Die v[a:]ter h[a]nt ir kint erzogen,
dar an sie beide sint betrogen:
sie brechent dicke Salom[o]nes l[e]re:
der sprichet, swer den besmen spar, 445
da[z] der den sun vers[u]me gar:
des sint die ungebatten gar [a]n' [e]re.
hie vor d[o] was diu werlt s[o] sch[oe]ne,
n[u] [i.]st sie worden als[o] h[oe]ne.
des enwas niht w[i]lent [e]: 450
die jungen h[a]nt die alten s[o] verdrungen.
n[u] spottet alse dar der alten!
e[z] wirt iu selben noch behalten.
beitet unz iuwer jugent zerg[e]:
swa[z] ir n[u] tuot, da[z] rechent iuwer jungen, 455
da[z] wei[z] ich wol und wei[z] noch m[e].

19.

Wer zieret n[u] der [e]ren sal?
der jungen ritter zuht ist smal,
s[o] pflegent die knehte gar unh[o:]vescher dinge
mit worten und mit werken ouch. 460
swer z[u:]hte h[a]t, der ist ir gouch.
nemt war, wie gar unfuoge f[u:]r sich dringe!
hie vor d[o] berte man die jungen,
die d[a] pfl[a]gen frecher zungen;
n[u] ist e[z] ir werdekeit: 465
sie schallent unde scheltent reine frouwen.
w[e] ir hiuten unde ir h[a]ren,
die niht kunnen fr[o] geb[a]ren
sunder w[i]be herzeleit!
d[a] mac man s[u:]nde b[i] der schande schouwen, 470
die maneger [u]f sich selben leit.

20.

Swer [a]ne vorhte, h[e]rre got,
wil sprechen d[i]niu zehen gebot
und brichet diu, da[z] ist niht rehtiu minne.
dich hei[z]et vater maneger vil: 475
swer m[i]n ze bruoder niht enwil,
der sprichet starkiu wort [u][z] krankem sinne.
wir wahsen [u][z] gel[i]chem dinge:
sp[i]se frumet uns, diu wirt ringe,
s[o] si durch den munt gevert. 480
wer kan den h[e]rren von dem knehte scheiden
swa [e.]r ir gebeine bl[o][z]e[z] f[u:]nde,
und h[ae]te er ir joch lebender k[u:]nde,
s[o] gew[u:]rme da[z] fleisch verzert?
im dienent kristen, juden unde heiden, 485
der elliu lebendiu wunder nert.

21.

[O]w[e] da[z] w[i]sheit unde tugent,
des mannes sch[oe]ne noch s[i]n jugent
niht erben sol, s[o] ie der l[i]p erstirbet!
da[z] mac wol klagen ein w[i]ser man, 490
der sich des schaden versinnen kan.
Reinm[a]r, wa[z] guoter kunst an dir verdirbet!
d[u] solt von schulden iemer des genie[z]en,
da[z] dich des tages wolte nie verdrie[z]en,
du'n spr[ae]ches ie den frouwen wol und guoten w[i]bes siten. 495
des suln sie iemer danken d[i]ner zungen.
und h[ae]test niht wan eine rede gesungen:
's[o] wol dir, w[i]p, wie reine ein nam!', d[u] h[ae]test an gestriten
ir lobe, da[z] elliu w[i]p dir iemer gn[a]den solten biten.

22.

D[e]sw[a]r, Reinm[a]r, d[u] riuwes mich 500
michels harter denne ich dich,
obe d[u] lebtes unde ich w[ae]re erstorben
ich wil'[z] b[i] m[i]nen triuwen sagen:
dich selben wil ich l[u:]tzel klagen,
ich klage d[i]n edelen kunst, da[z] s'ist verdorben. 505
d[u] kundest al der werlte freude m[e]ren,
s[o] du'[z] ze guoten dingen woltest k[e]ren.
mich riuwet d[i]n wol redender munt und d[i]n vil s[u:]e[z]er sanc,
da[z] der verdorben ist b[i] m[i]nen z[i]ten.
da[z] d[u] niht eine w[i]le mohtest b[i]ten! 510
s[o] leiste ich dir geselleschaft: m[i]n singen ist niht lanc.
d[i]n s[e]le m[u:]e[z]e wol gevarn und habe d[i]n zunge danc.

V

REINMAR.

Reinmar, often called Reinmar der Alte, was by birth an Alsatian.
He spent many years of his active life as Court poet at Vienna,
where he was extremely popular. Next to his rival Walther von der
Vogelweide he was the most prolific and important lyrical poet of
his period, cp. ll. 487-512, pp. 132-3. He died some time during the
first decade of the thirteenth century. See Burdach, Reinmar der
Alte und Walther von der Vogelweide, Leipzig, 1880, and Bartsch,
Deutsche Liederdichter des zw[o:]lften his vierzehnten Jahrhunderts,
Stuttgart, 1879.

1

'S[i] koment underw[i]len her
die ba[z] d[a] heime m[o:]hten s[i]n.
Ein ritter des ich lange ger,
bed[ae]hte er ba[z] den willen m[i]n,
s[o] w[ae]re er z'allen z[i]ten hie, 5
als ich in gerne s[ae]he.
ow[e] des, wa[z] suochent die
die n[i]dent da[z] ob iemen guot gesch[ae]he?'

Mir ist geschehen da[z] ich niht bin
langer vr[o] wan unz ich lebe. 10
s[i] wundert wer mir sch[oe]nen sin
und da[z] h[o]hgem[u:]ete gebe
da[z] ich zer werlte niht getar
ze rehte als[o] geb[a]ren,
nie genam ich vrowen war, 15
ich w[ae]re in holt die mir ze m[a][z]e w[a]ren.

2

Ein rede der liute tuot mir w[e]:
da enkan ich niht gedultecl[i]chen zuo geb[a]ren.
nu tuont si'[z] alle deste m[e]:
s[i] fr[a]gent mich ze vil von m[i]ner frouwen j[a]ren 20
und sprechent welher tage s[i] s[i],
dur da[z] ich ir s[o] lange bin gewesen mit triuwen b[i];
s[i] jehent da[z] es m[o:]hte mich verdrie[z]en.
nu l[a] da[z] aller beste w[i]p
ir z[u:]htel[o]ser vr[a]ge mich genie[z]en. 25

3

S[i] jehent, der sumer der s[i] hie,
diu wunne diu s[i] komen
und da[z] ich mich wol gehabe als [e].
nu r[a]tet unde sprechet wie:
der t[o]t h[a]t mir benomen 30
da[z] ich niemer [u:]berwinde m[e].
wa[z] bedarf ich wunnecl[i]cher z[i]t,
s[i]t aller vr[o:]uden h[e]rre Liutpolt in der erde l[i]t,
den ich nie tac getr[u]ren sach?
e[z] h[a]t diu werlt an ime verlorn 35
da[z] ir an manne nie
s[o] j[ae]merl[i]cher schade geschach.

'Mir armen w[i]be was ze wol,
d[o] ich ged[a]hte an in
wie m[i]n heil an s[i]nem l[i]be lac. 40
da[z] ich des n[u] niht haben sol,
des g[a]t mit sorgen hin
swa[z] ich iemer m[e] geleben mac.
m[i]ner wunnen spiegel derst verlorn
den ich mir hete ze sumerl[i]cher ougen weide erkorn, 45
des muo[z] ich leider [ae]nic s[i]n.
d[o] man mir seite er w[ae]re t[o]t,
zehant wiel mir da[z] bluot
von herzen [u]f die s[e]le m[i]n.

Die fr[o:]ide mir verboten h[a]t 50
m[i]ns lieben h[e]rren t[o]t
als[o] deich ir m[e]r enberen sol.
s[i]t des nu niht mac werden r[a]t,
in ringe mit der n[o]t,
da[z] m[i]n klagede[z] herze ist j[a]mers vol, 55
diu in iemer weinet, da[z] bin ich,
wan er vil s[ae]lic man, j[a] tr[o]ste er wol ze lebenne mich.
der ist nu hin: wa[z] t[o:]hte ich hie?
wis ime gen[ae]dic, h[e]rre got,
wan tugenthafter gast 60
kam in d[i]n ingesinde nie.'

4

Ich welte [u]f guoter liute sage
und ouch durch m[i]nes herzen r[a]t
ein w[i]p von der ich dicke trage
vil manige n[o]t diu n[a]he g[a]t. 65
die sw[ae]re ich z'allen z[i]ten klage,
wand e[z] mir kumberl[i]che st[a]t.
ich tet ir sch[i]n den dienst m[i]n:
wie m[o:]hte ein gr[oe][z]er wunder s[i]n,
da[z] s[i] mich des engelten l[a]t? 70

Ze rehter m[a][z]e sol ein man
beidiu da[z] herze und al den sin
ze st[ae]te wenden, ob er kan:
da[z] wirt im l[i]hte ein guot gewin.
swem d[a] von ie kein leit bekan, 75
der wei[z] wol wie'ch gebunden bin.
ich gloube im wol, als er mir sol.
von schulden ich den kumber dol:
ich br[a]hte selbe mich dar in.

5

'Er h[a]t ze lange mich gemiten 80
den ich mit triuwen nie gemeit.
von s[i]ner schulde ich h[a]n erliten
da[z] ich nie gr[oe][z]er n[o]t erleit.
s[o] lebt m[i]n l[i]p n[a]ch s[i]nem l[i]be.
ich bin ein w[i]p, da[z] im von w[i]be 85
nie liebes m[e] geschach, swie mir von im gesch[ae]he.
m[i]n ouge in gerner nie gesach dann ich in hiute s[ae]he.'

Mir ist vil liebe nu geschehen,
da[z] mir s[o] liebe nie geschach.
s[o] gerne h[a]n ich s[i] gesehen 90
da[z] ich s[i] gerner nie gesach.
ich scheide ir muot von schwachem muote:
s[i] ist s[o] guot, ich wil mit guote
ir l[o]nen, ob ich kan, als ich doch gerne kunde.
vil m[e]re fr[o:]iden ich ir gan dann ich mir selben gunde. 95

6

Wol mich lieber m[ae]re,
diu ich h[a]n vernomen,
da[z] der winter sw[ae]re
welle ze ende komen.
k[u]me ich des erbeiten mac, 100
want ich fr[o:]ide niht enpflac
s[i]t der kalte r[i]fe lac.

Mich enha[zz]et niemen,
ob ich bin gemeit.
Wei[z] got, tuot e[z] iemen, 105
deist uns[ae]lekeit,
wande ich schaden niht enkan.
swes ot s[i] mir wole gan,
wa[z] wil des ein ander man?

Solte ich m[i]ne liebe 110
bergen unde heln,
s[o] m[u:]est ich ze diebe
werden unde steln.
sinnecl[i]ch ich da[z] bewar.
m[i]n gewerbe ist anderswar, 115
ich g[e] dannen oder dar.

S[o] s[i] mit dem balle
tr[i]bet kindes spot,
da[z]'s iht s[e]re valle,
da[z] verbiete got. 120
megde, l[a]t iur dringen s[i]n:
st[o][z]et ir m[i]n frouwel[i]n,
so'st der schade halber m[i]n.

7

Ich sach vil wunnecl[i]che st[a]n
die heide mit den bluomen r[o]t, 125
der v[i]ol der ist wol get[a]n:
des h[a]t diu nahtegal ir n[o]t
wol [u:]berwunden diu s[i] twanc.
zergangen ist der winter lanc.
ich h[o]rte ir sanc. 130

D[o] ich da[z] gr[u:]ene loup ersach,
d[o] lie[z] ich vil der sw[ae]re m[i]n.
von einem w[i]be mir geschach
da[z] ich muo[z] iemer m[e]re s[i]n
vil wunnecl[i]chen wol gemuot. 135
e[z] sol mich alle[z] dunken guot
swa[z] s[i] mir tuot.

S[i] schiet von sorgen m[i]nen l[i]p,
da[z] ich dekeine sw[ae]re h[a]n.
wan [a]ne s[i] vier t[u]sent w[i]p 140
dien heten's alle niht get[a]n.
ir g[u:]ete wendet m[i]niu leit.
ich h[a]n s[i] mir ze friunt bereit,
swa[z] iemen seit.

Mir'n mac niht leides widerst[a]n: 145
des wil ich gar [a]n angest s[i]n.
ergienge e[z] als ich willen h[a]n,
s[o] l[ae]ge's an dem arme m[i]n.
da[z] mir der sch[oe]nen wurde ein teil,
da[z] diuhte mich ein michel heil, 150
und w[ae]re ouch geil.

Deich ir s[o] holde[z] herze trage,
da[z] ist in sumel[i]chen leit.
dar umbe ich niemer s[o] verzage:
s[i] vliesent alle ir arebeit. 155
wa[z] hilfet s[i] ir arger list?
si'n wi[zz]en wie'[z] ergangen ist
in kurzer frist.

8

M[i]n ougen wurden liebes als[o] vol,
d[o] ich die minnecl[i]chen [e]rst gesach, 160
da[z] e[z] mir hiute und iemer m[e] tuot wol.
ein minnecl[i]che[z] wunder d[o] geschach:
s[i] gie mir alse sanfte dur m[i]n ougen
da[z] s[i] sich in der enge niene stie[z].
in m[i]nem herzen s[i] sich nider lie[z]: 165
d[a] trage ich noch die werden inne tougen.

L[a] st[a]n, l[a] st[a]n! wa[z] tuost du, s[ae]lic w[i]p,
da[z] du mich heimesuochest an der stat,
dar s[o] gewaltecl[i]che w[i]bes l[i]p
mit starker heimesuoche nie getrat? 170
gen[a]de, frowe! ich mac dir niht gestr[i]ten.
m[i]n herze ist dir ba[z] veile danne mir:
e[z] solde s[i]n b[i] mir, nu'st e[z] b[i] dir:
des muo[z] ich [u]f gen[a]de l[o]nes b[i]ten.

9

Ze fr[o:]iden n[a]het alle tage 175
der werlte ein wunnecl[i]chiu z[i]t,
ze senfte maniges herzen klage
die nu der sw[ae]re winter g[i]t.
von sorge ich dicke s[o] verzage,
swenn als[o] j[ae]merl[i]che l[i]t 180
diu heide breit. da[z] ist mir leit.
diu nahtegal uns schiere seit
da[z] sich gescheiden h[a]t der str[i]t.

10

S[o] wol dir, w[i]p, wie reine ein nam!
wie sanfte er doch z'erkennen und ze nennen ist! 185
e[z] wart nie niht s[o] lobesam,
sw[a] du'[z] an rehte g[u:]ete k[e]rest, s[o] d[u] bist.
d[i]n lop mit rede nieman wol volenden kan.
swes d[u] mit triuwen pfligest wol, der ist ein s[ae]lic man
und mac vil gerne leben. 190
d[u] g[i]st al der werlte hohen muot:
maht d[u] ouch mir ein w[e]nic freude geben?

VI

ULRICH VON LICHTENSTEIN.

Ulrich von Lichtenstein came of a better-class Styrian family, and
was born about the year 1200 and died in 1275 or 1276. He was one of
the best representatives of the later Court lyrical poets. For
editions of his works, see Lachmann, Ausgabe der Dichtungen Ulrichs
von Lichtenstein, Berlin, 1841; Bechstein, Ulrichs von Lichtenstein
Frauendienst, Leipzig, 1887. The following extracts are taken from
Bartsch, Deutsche Liederdichter des zw[o:]lften bis vierzehnten
Jahrhunderts, Stuttgart, 1889.

1

{Ein tanzw[i]se, und ist diu vierde w[i]se.}

In dem walde s[u:]e[z]e d[oe]ne
singent kleiniu vogell[i]n.
an der heide bluomen sch[oe]ne
bl[u:]ejent gegen des meien sch[i]n.
als[o] bl[u:]et m[i]n h[o]her muot 5
mit gedanken gegen ir g[u:]ete,
diu mir r[i]chet m[i]n gem[u:]ete
sam der troum den armen tuot.

E[z] ist ein vil h[o]ch gedinge
den ich gegen ir tugenden trage, 10
da[z] mir noch an ir gelinge,
da[z] ich s[ae]lde an ir bejage.
des gedingen bin ich vr[o].
god geb' da[z] ich'[z] wol verende,
da[z] sie mir den w[a]n iht wende 15
der mich freut s[o] rehte h[o].

Sie vil s[u:]e[z]e, valsches [a]ne,
vr[i] vor allem wandel gar,
l[a][z]e mich in liebem w[a]ne
die w[i]l e[z] niht ba[z] envar; 20
da[z] diu vreude lange wer,
da[z] ich weinens iht erwache,
da[z] ich gegen dem tr[o]ste lache
des ich von ir hulden ger.

W[u:]nschen unde wol gedenken 25
d[e]st diu meiste vreude m[i]n.
des sol mir ir tr[o]st niht wenken,
sie enl[a][z]e mich ir s[i]n
mit den beiden n[a]hen b[i],
s[o] da[z] sie mit willen gunne 30
mir von ir s[o] werder wunne
da[z] sie s[ae]lic immer s[i].

S[ae]lic meie, du aleine
tr[oe]stest al die welde gar.
du und al diu werlt gemeine 35
vreut mich min dann umb ein h[a]r.
wie m[o:]ht' ir mir vreude geben
[a]ne die vil lieben guoten?
von der sol ich tr[o]stes muoten;
wan ir tr[o]stes muo[z] ich leben. 40

2

{Ein sincw[i]se, und ist diu sibende w[i]se.}

W[e] war umbe sul wir sorgen?
vreude ist guot.
von den w[i]ben sol man borgen
h[o]hen muot.
wol im der in kan gewinnen 45
von in! der'st ein s[ae]lic man.
freude sol man durch sie minnen,
wan d[a] l[i]t vil [e]ren an.

Wir suln tanzen singen lachen
durch diu w[i]p. 50
d[a] mit mac ein man gemachen
da[z] s[i]n l[i]p
wirdet wert, ob er mit triuwen
dienet guoter w[i]be gruo[z].
swen s[i]n dienest wil geriuwen, 55
dem wirt selten kumbers buo[z].

Mit dem wa[zz]er man da[z], fiuwer
laschet gar:
vinster ist der sunnen tiuwer.
beidiu w[a]r 60
sint diu m[ae]re: ir h[oe]ret m[e]re.
habet f[u:]r w[a]r [u]f minen l[i]p:
rehten man von herzen s[e]re
scheidet nieman wan diu w[i]p.

Ow[e] ow[e], frowe Minne, 65
mir ist w[e].
nu gr[i]f her wie s[e]re ich brinne.
kalder sn[e]
m[u:]este von der hitze brinnen
diu mir an dem herzen l[i]t. 70
kanstu, Minne, triuwe minnen,
s[o] hilfestu mir enz[i]t.

3

{Da[z] ist ein [u][z]reise.}

Wil iemen n[a]ch [e]ren die z[i]t wol vertr[i]ben,
ze s[ae]lden sich k[e]ren, b[i] freuden bel[i]ben,
der diene ze fl[i][z]e mit triuwen vil sch[o]ne 75
n[a]ch der minne l[o]ne: der ist s[u:]e[z]e, reine,
vil guot und aleine den guoten gemeine.

Swer volget dem schilde, der sol e[z] enblanden
dem l[i]be, dem guote, dem herzen, den handen.
des l[o]net vil h[o]he mit guotem gewinne 80
diu vil werde Minne: diu g[i]t freud' und [e]re.
wol ir s[u:]e[z]en l[e]re! sie kan tr[oe]sten s[e]re.

Der schilt wil mit z[u:]hten vil baltl[i]che[z] ellen:
er ha[zz]et, er schiuhet Schand' und ir gesellen.
got des niht enwelle da[z] man b[i] im vinde 85
s[o] swachl[i]ch gesinde, er wil da[z] die s[i]nen
[u]f [e]re sich p[i]nen, in tugenden ersch[i]nen.

Erg' unde unfuoge und unfuore diu wilde
gezimt niht dem helme und touc niht dem schilde,
der schilt ist ein dach da[z] niht schande kan decken. 90
s[i]n blic t[ae]t' enblecken an [e]ren die weichen,
von vorhten erbleichen: diu varwe ist ir zeichen.

H[o]chgemuote frouwen, ir s[u:]lt wol gedenken:
getriuwen gesellen vil st[ae]te [a]ne wenken
den minnet, den meinet, mit herzen, mit muote, 95
da[z] in iwer huote behalte, beh[u:]ete
mit liebe, mit g[u:]ete, vr[i] vor ungem[u:]ete.

Sie ist [a]ne schulde mir ha[z]l[i]ch erbolgen
der ich ze dienste dem schilde wil volgen.
nu h[a]n ich f[u:]r z[u:]rnen noch f[u:]r herzen s[e]re 100
niht ander schilt m[e]re wan den tr[o]st aleine,
da[z] ich sie ba[z] meine dann ie w[i]p deheine.

Gein ir langen kriege setz' ich m[i]n gedulde:
s[o] st[e] gein ir ha[zz]e ze wer m[i]n unschulde.
m[i]n wer gein den valschen da[z] sol s[i]n m[i]n triuwe 105
vil s[u:]e[z]e [a]ne riuwe: m[i]n kampfl[i]ch gew[ae]te
f[u:]r ir n[i]det[ae]te da[z] sol s[i]n m[i]n st[ae]te.

4

{Ditz ist der leich.}

Got f[u:]ege mir'[z] ze guote:
ich bin noch in dem muote
da[z] ich wil guoten w[i]ben 110
mit dienest [a]ne valschen muot immer b[i] bel[i]ben.
d[a] von r[a]t' ich einen r[a]t
der allen wol gemuoten mannen tugentl[i]chen st[a]t.

Ich r[a]t' iu, [e]re gerende man,
mit triuwen, als ich beste kan: 115
ob ir welt werende freude h[a]n,
s[o] s[i]t den w[i]ben undert[a]n
mit triwen [a]ne valschen muot.
ir g[u:]ete ist als[o] rehte guot,
swer in mit triwen dienest tuot, 120
den kunnen sie wol machen fr[o].
der werlde heil gar an in l[i]t:
ir g[u:]ete ist freuden h[o]chgez[i]t,
ir sch[oe]ne s[o] vil freuden g[i]t,
d[a] von diu herze st[i]gent h[o]. 125

Werdekeit
sunder leit
kunnen sie wol friunden geben.
swem s[o] s[i]
witze b[i], 130
der sol n[a]ch ir hulden streben
unde zinsen in s[i]n leben:
da[z] r[a]te ich [u]f die triwe m[i]n.
swer [e]ren s[ae]lic welle s[i]n
und r[i]che an h[o]hem muote, 135
der sol mit triwen guotiu w[i]p
reht minnen als s[i]n selbes l[i]p.
vil guot vor allem guote
ist der w[i]be g[u:]ete, unde ir sch[oe]ne sch[oe]ne ob aller sch[oe]ne.
ir sch[oe]ne ir g[u:]ete ir werdikeit ich immer gerne kr[oe]ne. 140
an ir sch[oe]ne und an ir g[u:]ete st[a]t m[i]n heil und ouch m[i]n wunne.
w[ae]r' guoter w[i]be sch[oe]ne niht, wie selten ich gewunne
deheinen [e]ren gernden muot.
wol mich da[z] sie sint als[o] guot,
da[z] man h[a]t von ir g[u:]ete 145
s[o] h[o]hen tr[o]st f[u:]r senediu leit.
ir sch[oe]ne, ir g[u:]ete, ir werdikeit
g[i]t mir vil h[o]ch gem[u:]ete.

M[i]n muot von w[i]ben h[o]he st[a]t.
wa[z] danne ob mir ir einiu h[a]t 150
erzeiget h[o]he misset[a]t?
d[e]sw[a]r des mac wol werden r[a]t.

Wa[z] sie gegen mir h[a]t get[a]n,
da[z] wil ich gerne wi[zz]en l[a]n
mit z[u:]hten, als ich beste kan, 155
[u]f gen[a]de guotiu w[i]p.
ich h[a]n ir driu und zehen j[a]r
gedienet sunder wenken gar,
b[i] m[i]nen triwen, da[z] ist w[a]r,
da[z] in der z[i]t m[i]n seneder l[i]p 160
nie gewan
s[o:]lhen w[a]n,
des m[i]n st[ae]te wurde kranc.
al m[i]n gir
was gein ir 165
sleht mit triwen [a]ne wanc.
nu vert entwer ir habedanc
reht als ein rat da[z] umbe g[a]t
und als ein marder den man h[a]t
in eine lin gebunden. 170
kund' ich als sie unst[ae]te s[i]n,
s[o] h[ae]t' ich n[a]ch dem willen m[i]n
[a]n sie ein frowen funden.

[E] daz ich m[i]n ritterl[i]che st[ae]te br[ae]ch' an guoten w[i]ben
ich wold' [e] immer valscher w[i]be hulde vr[i] bel[i]ben. 175
ich muo[z] in der st[ae]ten w[i]be dienest sunder l[o]n verderben
oder ich muo[z] ir st[ae]ten herzen liebe alsus erwerben
da[z] ich gewenke nimmer wanc
von in. ir h[o]hen habedanc,
und mag ich den erringen, 180
s[o] h[a]n ich alle[z] da[z] ich wil,
s[u:]e[z]' ougen wunne, herzen spil,
vil wunne an allen dingen.

Nu wa[z] bedarf m[i]n seneder l[i]p
gen[a]den m[e]r, ob ich ein w[i]p 185
ze frowen vinde als[o] gemuot,
diu sich vor wandel h[a]t behuot
und niht wan da[z] beste tuot?
der sol m[i]n dienest s[i]n bereit
immer m[e], 190
swie'[z] erg[e],
sunder valsch mit st[ae]tikeit.
d[a] von gewinne ich werdikeit
und als[o] freuder[i]chen sin,
des ich getiuret immer bin 195
an aller hande dingen.

Vind' ich sie, ich sol s[o] ritterl[i]chen n[a]ch ir hulden ringen.
da[z] mir von ir st[ae]tikeit muo[z] h[o] an ir gelingen.
sie muo[z] abr [u]f die triwe m[i]n
gar vr[i] vor allem wandel s[i]n, 200
diech m[e]r mich l[a][z]e twingen
und ouch in kumber bringen.
j[a] geh[oe]ret man mich nimmer m[e]
deheines valschen w[i]bes lop gesprechen noch gesingen.

5

In dem lufte s[u:]e[z]em meien, 205
s[o] der walt gekleidet st[a]t,
s[o] siht man sich sch[o]ne zweien
alle[z] da[z] iht liebes h[a]t,
unde ist mit ein ander vr[o].
da[z] ist reht: diu z[i]t wil s[o]. 210

Sw[a] sich liep ze liebe zweiet,
h[o]hen muot diu liebe g[i]t.
in der beider herzen meiet
e[z] mit vreuden alle z[i]t.
tr[u]rens wil diu liebe niht, 215
sw[a] man liep b[i] liebe siht.

Sw[a] zwei liep ein ander meinent
herzenl[i]chen [a]ne wanc
und sich beidiu s[o] vereinent
da[z] ir liebe ist [a]ne kranc, 220
die h[a]t got zesamne geben
[u]f ein wunnecl[i]che[z] leben.

St[ae]tiu liebe hei[z]et minne.
liebe, minne, ist al ein:
die kan ich in m[i]nem sinne 225
niht gemachen wol zuo zwein.
liebe muo[z] mir minne s[i]n
immer in dem herzen m[i]n.

Sw[a] ein st[ae]te[z] herze vindet
st[ae]te liebe, st[ae]ten muot, 230
d[a] von al s[i]n tr[u]ren swindet.
st[ae]tiu liebe ist als[o] guot
da[z] sie st[ae]te freude g[i]t
st[ae]tem herzen alle z[i]t.

M[o:]hte ich st[ae]te liebe vinden, 235
der wold' ich s[o] st[ae]te s[i]n
da[z] ich d[a] mit [u:]berwinden
wolde gar die sorge m[i]n.
st[ae]ter liebe wil ich gern
unde unst[ae]te gar verbern. 240

6

Disiu liet diu hei[z]ent vrowen tanz:
diu sol niemen singen, er'n s[i] vr[o].
swer mit z[u:]hten treit der freuden kranz,
und dem s[i]n muot st[a]t von w[i]ben h[o],
dem erloube ich sie ze singen wol: 245
bl[i]decl[i]chen man sie tanzen sol.

Tr[u]ren ist ze w[a]re niemen guot
wan dem einen der s[i]n s[u:]nde klaget,
h[o]hen lop erwirbet h[o]her muot.
guoten w[i]ben h[o]chmuot wol behaget: 250
d[a] von wil ich immer m[e]re s[i]n
h[o]chgemuot durch dich, guot vrowe m[i]n.

Vreude gibt mir d[i]n wol redender munt,
h[o]hen muot d[i]n reine senfte sit':
vreuden tou mir [u][z] des herzen grunt 255
kumt von dir in elliu m[i]niu lit.
got h[a]t s[i]nen vl[i][z] an dich geleit,
d[a] von d[i] lop [e]ren kr[o]ne treit.

Liehtiu ougen, d[a] b[i] br[u]ne br[a],
h[a]stu und zwei r[o]tiu w[a:]ngel[i]n. 260
sch[oe]ne bistu hie und sch[oe]ne d[a].
br[u]n r[o]t w[i][z], der dr[i]er varwe sch[i]n
treit d[i]n h[o]chgeborner sch[oe]ner l[i]p.
tugende h[a]stu vil, guot w[i]pl[i]ch w[i]p.

Da[z] du als[o] manege tugende h[a]st, 265
d[a] von bin ich alles tr[u]rens vr[i].
s[o] du als[o] sch[oe]niu vor mir g[a]st,
s[o] ist mir als ich in dem himel s[i].
got s[o] sch[oe]nen engel nie gewan
den ich f[u:]r dich wolde sehen an. 270

VII

DAS NIBELUNGEN-LIED.

B. Text. [A]VENTIURE XVII.

WIE KRIEMHILT IR MAN KLAGTE UND WIE ER BEGRABEN WART.

The following extract is from Bartsch's edition, Leipzig, 1879.

D[o] erbiten si der nahte / und fuoren [u:]ber R[i]n.
von heleden kunde nimmer / wirs gejaget s[i]n.
ein tier da[z] si d[a] sluogen, / da[z] weinden edeliu kint.
j[a] muosen s[i]n engelten / vil guote w[i]gande sint. 4

Von gr[o][z]er [u:]berm[u:]ete / muget ir h[oe]ren sagen,
und von eisl[i]cher r[a]che. / d[o] hie[z] Hagene tragen
S[i]friden als[o] t[o]ten / von Nibelunge lant
f[u:]r eine kemen[a]ten / d[a] man Kriemhilde vant. 8

Er hie[z] in tougenl[i]chen / legen an die t[u:]re,
da[z] sin d[a] solde vinden / so si gienge derf[u:]re
him zer mett[i]ne / [e] da[z] e[z] wurde tac,
der diu vrouwe Kriemhilt / vil selten keine verlac. 12

Man l[u]te d[a] zem m[u:]nster / n[a]ch gewoneheit.
vrou Kriemhilt diu sch[oe]ne / wahte manige meit:
ein lieht bat si ir bringen / und ouch ir gewant.
d[o] kom ein kamer[ae]re / d[a] er S[i]friden vant. 16

Er sah in bluotes r[o]ten: / s[i]n w[a]t was elliu na[z].
da[z] e[z] s[i]n herre w[ae]re, / nine wesse er da[z].
hin zer kemen[a]ten / da[z] lieht truog an der hant
von dem vil leider m[ae]re / diu vrouwe Kriemhilt ervant. 20

D[o] si mit ir vrouwen / zem m[u:]nster wolde g[a]n,
d[o] sprach der kamer[ae]re / 'j[a] sult ir stille st[a]n:
e[z] l[i]t vor dem gademe / ein ritter t[o]t erslagen.'
d[o] begonde Kriemhilt / vil harte unm[ae][z]l[i]che klagen. 24

[E] da[z] si rehte erfunde / da[z] i[z] w[ae]re ir man,
an die Hagenen vr[a]ge / denken si began,
wie er in solde vristen: / d[o] wart ir [e]rste leit.
von ir was allen vreuden / mit s[i]me t[o]de widerseit. 28

D[o] seic si zuo der erden, / da[z] si niht ensprach:
die sch[oe]nen vreudel[o]sen / ligen man d[o] sach.
Kriemhilde j[a]mer / wart unm[a][z]en gr[o][z]:
do [e.]rschr[e] si n[a]ch unkrefte / da[z] al diu kemen[a]te erd[o][z]. 32

D[o] sprach da[z] gesinde: / 'wa[z] ob e[z] ist ein gast?'
da[z] bluot ir [u][z] dem munde / von herzen j[a]mer brast.
d[o] sprach si 'e[z] ist S[i]frit, / der m[i]n vil lieber man:
e[z] h[a]t ger[a]ten Pr[u:]nhilt, / da[z] e[z] hat Hagene get[a]n.' 36

Diu vrouwe bat sich w[i]sen / d[a] si den helt vant.
si huop s[i]n sch[oe]ne houbet / mit ir vil w[i][z]en hant.
swie r[o]t e[z] was von bluote, / si het in schiere erkant.
d[o] lac vil j[ae]merl[i]che / der helt von Nibelunge lant. 40

D[o] rief vil tr[u]recl[i]che / diu k[u:]neginne milt:
'ow[e] mir m[i]nes leides! / nu ist dir d[i]n schilt
mit swerten niht verhouwen: / du l[i]st ermorder[o]t.
unt wesse ich wer i[z] het get[a]n, / ich riete im immer s[i]nen t[o]t.' 44

Alle[z] ir gesinde / klagete und scr[e]
mit ir lieben vrouwen, / wand' in was harte w[e]
umb' ir vil edelen herren, / den si d[a] heten verlorn.
d[o] het gerochen Hagene / harte Pr[u:]nhilde zorn. 48

D[o] sprach diu j[a]merhafte: / 'ir sult hine g[a]n
und wecket harte balde / die S[i]frides man.
ir sult ouch Sigemunde / m[i]nen j[a]mer sagen,
ob er mir helfen welle / den k[u:]enen S[i]friden klagen.' 52

D[o] lief ein bote balde / da [e.]r si ligen vant,
die S[i]frides helede / von Nibelunge lant.
mit den vil leiden m[ae]ren / ir vreude er in benam.
si wolden'[z] niht gelouben / unz man da[z] weinen vernam. 56

Der bote kom ouch schiere / d[a] der k[u:]nic lac.
Sigemunt der herre / des sl[a]fes niht enpflac:
ich w[ae]n' s[i]n herze im sagete / da[z] im was geschehen,
ern m[o:]hte s[i]nen lieben sun / lebenden nimmer gesehen. 60

'Wachet, herre Sigemunt. / mich bat n[a]ch iu g[a]n
Kriemhilt m[i]n vrouwe. / der ist ein leit get[a]n
da[z] ir vor allen leiden / an ir herze g[a]t:
da[z] sult ir klagen helfen, / wand' e[z] iuch s[e]re best[a]t.' 64

[U]f rihte sich d[o] Sigemunt; / er sprach: 'wa[z] sint diu leit
der sch[oe]nen Kriemhilde, / diu du mir h[a]st geseit?'
der bote sprach mit weinen: / 'ine kan iu niht verdagen:
j[a] ist von Niderlanden / der k[u:]ene S[i]frit erslagen.' 68

D[o] sprach der herre Sigemunt: / 'l[a]t da[z] schimpfen s[i]n
und als[o] b[oe]siu m[ae]re / durch den willen m[i]n,
da[z] ir da[z] saget iemen / da[z] er s[i] erslagen:
wand' ine kunde in nimmer / unz an m[i]n ende verklagen.' 72

'Welt ir mir niht gelouben / da[z] ir mich h[oe]ret sagen,
s[o] muget ir selbe h[oe]ren / Kriemhilde klagen
unt alle[z] ir gesinde / den S[i]frides t[o]t.'
vil s[e]re erscrac d[o] Sigemunt: / des gie im w[ae]rl[i]chen n[o]t. 76

Mit hundert s[i]nen mannen / er von den betten spranc.
si zuhten zuo den handen / diu scharpfen w[a]fen lanc,
si liefen zuo dem wuofe / vil j[a]merliche dan.
d[o] k[o]men t[u]sent recken / des k[u:]enen S[i]frides man. 80

D[o] si s[o] j[ae]merl[i]che / die vrouwen h[o]rten klagen,
d[o] w[a]nden sumel[i]che, / si solden kleider tragen.
jan[e.] mohten si der sinne / vor leide niht gehaben:
in wart vil michel sw[ae]re / in ir herzen begraben. 84

D[o] kom der k[u:]nec Sigemunt / da [e.]r Kriemhilde vant.
er sprach: 'ow[e] der reise / here in ditze lant.
wer h[a]t mich m[i]nes kindes / und iuch des iuwern man
b[i] als[o] guoten friunden / sus mortl[i]ch [a]ne get[a]n?' 88

'Hey solde ich den bekennen,' / sprach da[z] vil edele w[i]p,
'holt enwurde im nimmer / m[i]n herze unt ouch m[i]n l[i]p:
ich geriete im als[o] leide / da[z] die friunde s[i]n
von den m[i]nen schulden / m[u:]esen weinende s[i]n.' 92

Sigemunt der herre / den f[u:]rsten umbesl[o][z].
d[o] wart von s[i]nen vriunden / der j[a]mer als[o] gr[o][z]
da[z] von dem starken wuofe / palas unde sal
und ouch diu stat ze Worme[z] / von ir weinen erschal. 96

Don[e.] kunde niemen tr[oe]sten / da[z] S[i]frides w[i]p.
man z[o]ch [u][z] den kleidern / den s[i]nen sch[oe]nen l[i]p.
man wuosch im s[i]ne wunden / unt leit' in [u]f den r[e].
d[o] was s[i]nen liuten / von gr[o][z]em j[a]mere w[e]. 100

D[o] spr[a]chen s[i]ne recken / von Nibelunge lant:
'in sol immer rechen / mit willen unser hant.
er ist in dirre b[u:]rge, / der i[z] h[a]t get[a]n.'
d[o] [i]lten n[a]ch w[a]fen / alle S[i]frides man. 104

Die [u][z] erwelten degene / mit schilden k[o]men dar,
einlef hundert recken: / die hete an s[i]ner schar
Sigemunt der herre. / s[i]nes sunes t[o]t
den wolde er gerne rechen: / des gie im w[ae]rl[i]chen n[o]t. 108

Sin[e.] wessen wen si solden / mit str[i]te d[o] best[a]n,
s[i]ne t[ae]ten'[z] Gunther / unde s[i]ne man,
mit den der herre S[i]frit / an da[z] gejegede reit.
Kriemhilt sach si gew[a]fent: / da[z] was ir gr[oe][z]l[i]che leit. 112

Swie michel w[ae]r' ir j[a]mer / und swie starc ir n[o]t,
d[o] vorhte si harte / der Nibelunge t[o]t
von ir bruoder mannen, / da[z] si e[z] understuont.
si warnt' si g[u:]etl[i]che / s[o] vriunde liebe vriunde tuont. 116

D[o] sprach diu j[a]mers r[i]che: / 'm[i]n her Sigemunt,
wes welt ir beginnen? / iu ist niht rehte kunt.
j[a] h[a]t der k[u:]nic Gunther / s[o] manigen k[u:]enen man:
ir welt iuch alle vliesen, / welt ir die recken best[a]n.' 120

Mit [u]f erb[u:]rten schilden / in was ze str[i]te n[o]t.
diu edel k[u:]neginne / bat und ouch geb[o]t
da[z] si[z] m[i]den solden, / die recken vil gemeit.
d[o] si[z] niht l[a][z]en wolden, / da[z] was ir w[ae]rl[i]chen leit. 124

Si sprach: 'herre Sigemunt, / ir sult i[z] l[a][z]en st[a]n
unz e[z] sich ba[z] gef[u:]ege: / s[o] wil ich m[i]nen man
immer mit iu rechen. / der mir in h[a]t benomen,
wirde ich des bew[i]set, / ich sol im schedel[i]che komen. 128

E[z] ist der [u:]berm[u:]eten / hie b[i] R[i]ne vil:
d[a] von ich iu des str[i]tes / r[a]ten niht enwil.
si habent wider einen / ie wol dr[i][z]ec man.
nu l[a][z]' in got gelingen / als si umb uns gedienet h[a]n. 132

Ir sult hie bel[i]ben, / unt dolt mit mir diu leit;
als i[z] tagen beginne, / ir helde vil gemeit,
s[o] helfet mir besarken / den m[i]nen lieben man.'
d[o] spr[a]chen die degene: / 'da[z] sol werden get[a]n.' 136

Iu enkunde niemen / da[z] wunder volsagen
von rittern unt von vrouwen, / wie man die h[o]rte klagen,
s[o] da[z] man des wuofes / wart in der stat geware.
die edelen burg[ae]re / die k[o]men g[a]hende dare. 140

Si klageten mit den gesten, / want in was harte leit.
die S[i]frides schulde / in niemen het geseit,
durch wa[z] der edele recke / verl[u:]re den s[i]nen l[i]p.
d[o] weinden mit den vrouwen / der guoten burg[ae]re w[i]p. 144

Smide hie[z] man g[a]hen, / wurken einen sarc,
von silber und von golde, / vil michel unde starc.
man hie[z] in vaste spengen / mit stahel, der was guot.
d[o] was al den liuten / harte tr[u]rec der muot. 148

Diu naht was zergangen: / man sagte e[z] wolde tagen.
d[o] hie[z] diu edele vrouwe / zuo den m[u:]nster tragen
S[i]frit den herren, / ir vil lieben man.
swa[z] er d[a] vriunde h[e]te, / die sach man weinende g[a]n. 152

D[o] s[i.] in zem munster br[a]hten, / vil der gloken klanc.
d[o] h[o]rt' man allenthalben / vil maniges pfaffen sanc.
d[o] kom der k[u:]nic Gunther / mit den s[i]nen man
und ouch der grimme Hagene / zuo dem wuofe geg[a]n. 156

Er sprach: 'vil liebiu swester, / ow[e] der leide d[i]n,
da[z] wir niht mohten [a]ne / des gr[o][z]en schaden s[i]n.
wir m[u:]e[z]en klagen immer / den S[i]frides l[i]p.'
'da[z] tuot ir [a]ne schulde', / sprach da[z] j[a]merhafte w[i]p. 160

'W[ae]r' iu dar umbe leide, / son w[ae]r' es niht geschehen.
ir hetet m[i]n verge[zz]en, / des mag ich wol jehen,
da [i.]ch d[a] wart gescheiden / von m[i]me lieben man.
da[z] wolde got', sprach Kriemhilt, / 'w[ae]r' i[z] mir selber get[a]n.' 164

Si buten vaste ir lougen. / Kriemhilt begonde jehen
'swelher sich unschuldige, / der l[a][z]e da[z] gesehen;
der sol zuo der b[a]re / vor den liuten g[e]n.
d[a] b[i] mac man die w[a]rheit / harte schiere verst[e]n.' 168

Da[z] ist ein michel wunder: / vil dicke e[z] noch geschiht,
sw[a] man den mortmeilen / b[i] dem t[o]ten siht,
s[o] bluotent im die wunden: / als ouch d[a] gescach.
d[a] von man die sculde / d[a] ze Hagenen gesach. 172

Die wunden vlu[zz]en s[e]re / alsam si t[a]ten [e].
die [e] d[a] s[e]re klageten, / des wart nu michel m[e].
d[o] sprach der k[u:]nic Gunther / 'ich wil'[z] iuch wi[zz]en l[a]n.
in sluogen sch[a]ch[ae]re: / Hagene h[a]t es niht get[a]n.' 176

'Mir sint die sch[a]ch[ae]re', / sprach si, 'vil wol bekant.
nu l[a][z]e e[z] got errechen / noch s[i]ner vriunde hant.
Gunther unde Hagene, / j[a] habet ir i[z] get[a]n.'
die S[i]frides degene / heten d[o] ze str[i]te w[a]n. 180

D[o] sprach aber Kriemhilt: / 'nu habt mit mir die n[o]t.'
d[o] k[o]men dise beide / d[a] si in funden t[o]t,
G[e]rn[o]t ir bruoder / und G[i]selher da[z] kint.
in triuwen si in klageten / mit den anderen sint. 184

Si weinden innecl[i]che / den Kriemhilde man.
man solde messe singen: / zuo dem m[u:]nster dan
giengen allenthalben / man w[i]p unde kint.
die s[i]n doch l[i]hte enb[a]ren, / die weinden S[i]friden sint. 188

G[e]rn[o]t und G[i]selher / spr[a]chen: 'swester m[i]n,
nu tr[oe]ste dich n[a]ch t[o]de, / als i[z] doch muo[z] s[i]n.
wir wellen dich's ergetzen / die w[i]le unt wir geleben.'
don[e.] kunde ir tr[o]st deheinen / zer werlde niemen gegeben. 192

S[i]n sarc der was bereitet / wol umbe'n mitten tac.
man huop in von der b[a]re / d[a] er [u]fe lac.
in wolde noch diu frouwe / l[a][z]en niht begraben.
des muosen al die liute / michel arebeite haben. 196

In einen r[i]chen pfellel / man den t[o]ten want.
ich w[ae]ne man d[a] iemen / [a]ne weinen vant.
d[o] klagete herzenl[i]che / Uote, ein edel w[i]p,
und alle[z] ir gesinde / den s[i]nen w[ae]tl[i]chen l[i]p. 200

D[o] man da[z] geh[o]rte, / da[z] man zem m[u:]nster sanc,
unt in gesarket h[e]te, / d[o] huop sich gr[o][z] gedranc:
durch willen s[i]ner s[e]le / wa[z] opfers man d[o] truoc!
er hete b[i] den v[i]nden / doch guoter vriunde genuoc. 204

Kriemhilt diu arme / zir kamer[ae]ren sprach:
'si suln durch m[i]ne liebe / l[i]den ungemach,
die im iht guotes g[u:]nnen / und mir wesen holt;
durch S[i]frides s[e]le / sol man teilen s[i]n golt.' 208

Dehein kint was s[o] kleine / da[z] witze mohte haben,
da[z] muose g[e]n zem opfer. / [e] [e.]r wurde begraben,
ba[z] danne hundert messe / man d[a] des tages sanc.
von S[i]frides vriunden / wart d[o] gr[o][z]er gedranc. 212

D[o] man d[a] hete gesungen, / da[z] volc huop sich von dan.
d[o] sprach diu vrouwe Kriemhilt / 'irn sult niht eine l[a]n
h[i]nte mich bewachen / den [u][z] erwelten degen.
e[z] ist an s[i]me l[i]be / al m[i]n vreude gelegen. 216

Dr[i] tage und dr[i] nahte / wil ich in l[a][z]en st[a]n,
unz ich mich geniete / m[i]ns vil lieben man.
wa[z] ob da[z] got gebiutet / da[z] mich ouch nimet der t[o]t?
s[o] w[ae]re wol verendet / m[i]n armer Kriemhilde n[o]t.' 220

Zen herbergen giengen / die liute von der stat.
pfaffen unde m[u:]niche / si bel[i]ben bat
und alle[z] s[i]n gesinde, / da[z] des heldes pflac.
si heten naht vil arge / unt vil m[u:]el[i]chen tac. 224

[A]n e[zz]en und [a]n trinken / beleip d[a] manic man.
die e[z] nemen wolden, / den wart da[z] kunt get[a]n,
da[z] man's in den vollen g[ae]be: / da[z] schuof Sigemunt.
d[o] was den Nibelungen / vil michel arebeite kunt. 228

Die dr[i]e tagez[i]te, / s[o] wir h[oe]ren sagen,
die d[a] kunden singen, / da[z] si muosen tragen
vil der arebeite. / wa[z] man in opfers truoc!
die vil arme w[a]ren, / die wurden r[i]che genuoc. 232

Swa[z] man vant der armen / die es niht mohten h[a]n,
die hie[z] man doch zem opfer / mit dem golde g[a]n
[u][z] s[i]n selbes kamere. / do [e.]r niht solde leben,
umbe s[i]ne s[e]le / wart manic t[u]sent marc gegeben. 236

Urbor [u]f der erden / teilte s'in diu lant,
sw[a] s[o] man diu kl[o]ster / und guote liute vant.
silber unde w[ae]te / gap man den armen gnuoc.
si tet dem wol gel[i]che / da[z] sim holden willen truoc. 240

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A Middle High German PrimerChapter VII: Syntax (2)

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